Kategorie: Idomeni Feb-März 16

„No Afghanian, just Syrian and Irakian!“ – Rassismus und Willkommenspatriotismus schon an der Grenze

Die Lage von Flüchtenden aus Afghanistan hat sich Ende Februar auf den Kopf gestellt.

Bis dahin gehörten Afghan_innen, gleich Syrer_innen und Iraker_innen, zu jenen Flüchtenden, denen es möglich war als „legale“ und damit besser gestellte Flüchtende, die griechisch-mazedonische Grenze in Idomeni zu überqueren und auf dem entstandenen humanitären Fluchtkorridor Richtung „final destination“  Deutschland weiter zu “reisen“. Dass Mazedonien, wie auch Österreich, Slovenien und Serbien, sich um den 22. Februar dazu entschlossen, Afghan_innen nicht mehr passieren zu lassen, geht mit geführten Diskussionen darüber einher, Teile Afghanistans trotz langjährigem Krieg als sicher zu erklären.

Als sich Mazedonien entschloss, keine Afghan_innen mehr einreisen zu lassen, blockierten viele Afghan_innen den Grenzübergang und hielten die Blockade über Nacht aufrecht. Blockade Aktivist_innen berichteten uns, dass sechs von ihnen über den Zaun geklettert seien und daraufhin auf der mazedonischen Seite von Polizei und Militär abtransportiert wurden. Flüchtende aus Afghanistan wurden im Camp B selektiert. In den darauf folgenden Tagen wurden hunderte Afghan_innen aus dem Camp in Idomeni in Bussen gerüchteweise Richtung Athen und Thessaloniki abtransportiert, wo sie wahrscheinlich in Detention Centres und Gefängnissen eingesperrt wurden.

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Made in the EU: Zehntausende hängen vor der Grenze fest

P1140469kleinDie EU und die Türkei haben jetzt also auf einem weißen Blatt Papier beschlossen, dass „der irreguläre Strom der Migration auf der Balkanroute zu Ende“ gehen solle. Erst Slowenien, im Dominoeffekt danach auch Kroatien, Serbien und Mazedonien haben darauf hin offiziell die Grenzen geschlossen. In Idomeni war der Grenzübergang faktisch vorher schon verschlossen, die Polizei hat in den Tagen zuvor immer nur tröpfchenweise wenige passieren lassen.

Zuletzt warteten ca. 15.000 Menschen im Camp direkt an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. Nach mehreren Tagen starkem Regen steht das Lager in Idomeni quasi unter Wasser und ist durch eine Glocke von dichtem, manchmal beißendem Qualm von unzähligen Lagerfeuern aus nassem Holz und Plastikmüll eingehüllt. Am Tag nach der formellen Grenzschließung standen bereits die ersten Busse am Camp, die Menschen zurück nach angeblich Athen bringen sollten. Die ersten gehen durch den Zwang der Situation, das ihr Warten auf einen legalen Grenzübertritt wohl ohne Hoffnung ist. Die meisten Anderen hadern noch und suchen nach neuen Wegen und Optionen.

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Brutal revenge against protesters: Police violence at the Greek-Macedonian border

[Deutsche Version unten]

Brutal revenge against protesters: Police violence at the Greek-Macedonian border
Macedonian Officials abuse participants of refugee protests in Idomeni

A report from Travelling Bureau and Moving Europe

After a series of protests in the (refugee) camp in Idomeni, GR , during the night of the 3rd to the 4th of March 2016, at around 2 AM, at least two people were beaten up by the Macedonian military as well as by the police. According to eyewitness reports, the incident happened directly at the border fence, visible to many refugees and where several were forced to watch. According to the survivors, beatings also took place behind the official containers at the border crossing. At least one of the victims were a central figure of the ongoing refugee protests of the past days in the camp of Idomeni.

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Idomeni: Erneut Schienenblockaden und zunehmend schlechtere Stimmung

160303_ÜberblickBlokadeErneut blockierten heute Flüchtende die Gleise und legten für mehrere Stunden den durch das Camp führenden Schienenverkehr zwischen Griechenland und Mazedonien lahm. Sie malten Transparente auf denen „Were slowly dying here“ und „Freedom“ zu lesen war und errichteten zudem einige Zelte mitten auf den Schienen.

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Sicherheitsapparat auf dem Wehrgang der Festung Europas

Bei unseren Beobachtungen im Camp Idomeni ist uns immer wieder aufgefallen, wie martialisch der Sicherheitsapparat jenseits des Grenzzauns auftritt. Deswegen wollen wir in diesem Artikel einmal zusammenfassen, mit welche polizeilichen und militärischen Machtmitteln hier versucht wird, die Flucht nach Europa zu unterbinden. Außerdem stellen wir hier dar, welche europäischen Polizeieinheiten die Festung Europa mit zu stützen versuchen und können damit Aussagen der österreichischen Regierung widerlegen.

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Blumen gegen Bulldozer – Kind am Leben

160301_ProtestBlumen Die Nachricht von dem getöteten Kind wurde heute nach Auskunft von Ärzten ohne Grenzen revidiert: Das Kind hat schwer verletzt überlebt. Wir sind unheimlich erleichtert über diese Nachricht, die wir heute im Camp erfahren haben.

Nach den gestrigen Eskalationen am Grenzzaun und auf den Bahngleisen beim Camp Idomeni, haben heute Refugee-Aktivist_innen betont deeskaliert: Etwa 150 Menschen demonstrierten erneut für die Öffnung der Grenze nach Mazedonien. Dabei hielt sich der Protest anscheinend bewusst fern vom Grenzzaun, an dem gestern Menschen durch den Einsatz von Schock- und Tränengasgranaten durch die Polizei verletzt wurden. Am Ort des Geschehens waren weiterhin Teile der Zäune um die Bahngleise eingerissen. Die griechische Polizei zeigte deutlich mehr Präsenz als sonst und kontrollierte Menschen vor dem Lager.

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Situation in Idomeni eskaliert zunehmend: Tränengas und vermutlich getötetes Kleinkind

Dies ist eine Pressemitteilung, die wir heute verschickt haben:

Seit Tagen wirdP1130685klein die Situation im Grenzdurchgangslager in Idomeni für die flüchtenden Menschen zunehmend aussichtslos. Das Lager ist hoffnungslos überfüllt, UNHCR und Ärzte ohne Grenzen können die allgemeine Nahrungsversorgung nicht aufrecht erhalten und Menschen müssen auf dem Feld unter freiem Himmel schlafen. Weiterhin strömen täglich weitere Menschen in das Lager.

Verursacht wird die Situation durch die de facto Schließung des Grenzübergangs von Seiten Mazedoniens. Nachdem bereits letzte Woche keine Flüchtenden aus Afghanistan mehr ins Land gelassen wurden, war die Grenze in den letzten drei Tagen auch für Mennschen aus Syrien und Irak immer bloß kurzfristig und nur für wenige Personen geöffnet.

Am 27.02.2016 begannen daraufhin Proteste im Lager, bei denen zunächst ca. 500 Menschen vor dem Grenzübergang demonstrierten. Tags darauf blockierten Flüchtende den Güterverkehr auf den neben dem Lager entlang verlaufenden Gleisen den ganzen Tag über. Protestierende kündigten im Gespräch mit uns an, in den Hungerstreik treten zu wollen und die Gleise so lange zu blockieren bis der Grenzübergang wieder geöffnet würde. Nachdem die mazedonische Polizei angeboten hatte, täglich 500 Menschen passieren zu lassen, räumten die Blockierenden die Gleise.

Heute Vormittag erreichte die Flüchtenden die Nachricht, dass Mazedonien lediglich 65 Familien passieren lassen möchte. Daraufhin versammelten sich erneut hunderte Menschen auf den Gleisen und strömten durch eine Kette griechischer Polizeieinheiten in Richtung Grenzzaun. Vor dem Tor über die Gleise sammelten sich deutlich über 1 000 Menschen. Die Menge rammte zunächst mit einer Stange das Tor ein und hebelte danach das Tor mit einem Pfeiler aus den Angeln. In der Menge sammelten sich viele Familien mit kleinen Kindern, in der Hoffnung über die Grenze zu gelangen. Durch das geöffnete Tor schoss die mazedonische Polizei in den mit Menschen gefüllten Grenzbereich auf der griechischen Seite Schock- und Tränengasgranaten, was eine panische Flucht auslöste.

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Blockaden in Idomeni: Flüchtende blockieren den Schienenverkehr

 

160228_Blockade_IdomeniDen ganzen Tag über war der Schienenverkehr über die Grenze nach Mazedonien von bis zu 500 Menschen lahm gelegt. Am Morgen hatten sich Berichten von Refugees zufolge einige Menschen auf die Gleise gelegt, als ein Zug die für Flüchtende geschlossene Grenze passieren wollte. Daraufhin kamen hunderte Menschen hinzu und machten den Güterverkehr dicht. In ihrem lautstarken und kraftvollen Protest entrollten sie drei Transparente, hielten Schilder hoch und riefen den ganzen Tag über „Open the Border“, „We dont want food“ und „Let us pass“.
In einem Interview berichtete uns ein Blockade-Aktivist, dass sie in Hungerstreik getreten sind und die Schienen so lange blockieren wollen, bis die Grenze geöffnet wird. Gegen Mittag gab es einen „Vermittlungsversuch“ seitens UN-Mitarbeiter_innen, in dem den Flüchtenden damit gedroht wurde, dass die Grenze solange sie die Blockade aufrecht erhalten geschlossen bliebe. Doch die Demonstrant_innen lehnten ab und weiteten ihren Protest aus.

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Gute Schuhe für die Flucht

Gute Schuhe sind auf der Flucht essentiell. Immer wieder kommen Flüchtende auf uns zu und sagen, dass es ihnen vor allem an vernünftigem Schuhwerk fehlt. Leute laufen teilweise mit alten, abgetragenen Latschen oder Schuhen, die für mancheWege komplett untauglich sind. Überall auf den Straßen sieht man große Gruppen zu Fuß Wege zurück legen. Viele laufen nicht nur die 20 km von der Tankstelle in Polykastro ins Camp, sondern durchqueren ganze Länder. schuhekleinJe nachdem, ob die europäischen Länder sie für legitime Flüchtende halten oder nicht, also ob sie prinzipiell über Grenzen gelassen oder illegalisiert werden, müssen Flüchtende noch ganz andere Strecken und Wege zurück legen. Flüchtende berichten uns, dass sie zu Augenzeug_innen wurden, wie Leuten, die aus Mazedonien und Serbien zurück gepusht werden, unter anderem auch ihre Schuhe von der Polizei abgenommen werden.
Und weil Schuhe so wichtig sind, sind 500 € eurer Spendengelder jetzt in Schuhe für Refugees investiert worden. Wir konnten davon 50 Paar Sport-Schuhe kaufen!