Nea Kavala: Abgedrängt auf Militärcamp ohne fließendes Wasser

IMG_1051Das ca. 25 km vor Idomeni, direkt neben Polykastro gelegene Lager Nea Kavala, das auf einem ehemaligen Militärflughafen eingerichtet wurde, bietet Platz für ca. 5 000 Personen. Auf einer Wiese mit geschotterten Wegen erstreckt sich ein großes, umzäuntes Zeltlager, das nicht einmal Mindeststandards erfüllt. Es gibt weder Bäume noch Büsche, die auch nur einen IMG_1038Hauch von Schatten bieten könnten. Am Eingang prangt ein Schild, das angibt, dass dieses Lager von europäischen Geldern finanziert sei. Anstatt von Toiletten sind in diesem Lager nur notdürftige Dixis aufgestellt. Die Wasserversorgung ist nur von Zeit zu Zeit gewährleistet. Im Eingangsbereich befinden sich große Wassertanks, die vom Militär befüllt werden und die die Wasserhähne innerhalb des Lagers beliefern. Kaltes Wasser gibt es nie, da sich das Wasser in den Metalltanks aufheizt. Fast schon zynisch weht über dieser Mängelsituation zwischen den Stacheldrähten und Zäunen eine „save the children“ Fahne, der gleichnamigen NGO.

P1160552Anfangs wären hier 4 500 Menschen gewesen, jetzt seien es nur noch 1 500, erzählte uns ein yezidischer Junge aus dem Lager. Wohin all die Leute sind, wüsste er jedoch nicht. Hier gäbe es vorallem Kurden, Yeziden und ein paar Syrer. Viele sind schon seit Monaten hier und sind direkt nach ihrer Ankunft in Griechenland hier her gebracht worden. Neben Save the Children befinden sich noch 6 weitere NGOs im Lager. Auch der UNHCR, der mache jedoch nichts, erklärt uns der Junge.

Eine Familie berichtet uns von der miserablen Versorgungslage hier. Wäsche waschen ist kaum möglich, unser Trinkwasser ist warm, kritisiert eine junge Mutter gestikulierend. Alle werden krank oder verrückt hier. Der kleine Sohn muss ohne Hose herumlaufen, da es hier nichts gibt. Das ist kein Leben hier, betonen sie einhellig.
IMG_1043Unter der brennende Hitze ohne fließendem Wasser und ohne Schatten spendende Bäume wird in diesem Lager wieder einmal deutlich, die deutsche und europäische Politik lässt Hoffnungen zerplatzen, reißt Familien auseinander und zerstört ganze Leben.
Ein Junge erzählt uns resigniert, dass sie hier Papiere erhalten, die es ihnen gestatten IMG_1046sich ein eigenes Haus zu kaufen und in eine richtige Schule zu gehen. Ein eigenes Haus kann sich hier allerdings niemand leisten, so dass doch nur dieses Lager bliebe. Im Lager gäbe es eine Schule, die hat zwei Tage in der Woche offen, erklärt er. Nebenan ist ein Fußballplatz, auf dem regelmäßig Fußballspiele organisiert werden, erzählt uns der ältere Bruder, der gerade auf dem Weg zu seinem Fußballspiel ist. Während unseres Aufenthalts im Lager schallt von Zeit zu Zeit eine Ansage über die fest installierte Lautsprecheranlage des Lagers. Sie wollten nach Deutschland, aber Deutschland will keine Refugees, berichtet der Junge weiter.

P1160555Auch in diesem Lager erzählte uns wieder Viele von Familienmitgliedern, die bereits anderswo in Europa angekommen sind. Eine Mutter erklärte uns, dass ihr Sohn minderjährig nach Deutschland eingereist sei, nun bald 18 werde, damit also die Fristen für den Familiennachzug verstrichen seien. Ein Mann aus Syrien berichtet davon, dass sieben seiner Geschwister in Deutschland sind, zwei Schwestern sind in Bharain.

IMG_1014Alle von uns auf das Relocation Program angesprochene Personen wussten nicht einmal von diesem Programm. Hier zeigt sich, dass das Gegenprogramm der EU zu offenen Grenzen nicht einmal darauf ausgelegt ist, allen zur Verfügung gestellt zu werden, sondern schon die Zuordnung in bestimmte Lager über entweder gar keine oder minimalistische Zugänge, weitere Perspektiven und Chancen entscheidet.

 

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