Softex: Isoliert im Gewerbegebiet

IMG_0922Am Rande der Stadt Thesaloniki in einem Gewerbegebiet liegt das Lager Softex. In der Mitte steht eine zerfallene Bauruine auf einem weiträumigen Schotterfeld neben einer großen Lagerhalle. Das Lager ist in drei Teile separiert: in der Halle stehen Zelte, dahinter und rechts davon ist jeweils noch ein Feld mit Zelten.

Die einzelnen Lagerteile IMG_0848sind voneinander mit einem hohen Maschendrahtzaun abgetrennt auf dem oben Rollen von NATO-Stacheldraht angebracht sind. Das ganze Lager ist umzäunt, das einzige Tor wird vom griechischen Militär bewacht. Dessen Baufahrzeuge in Flecktarn stehen um die Bauruine in der Mitte herum.

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Über 1.000 Menschen sind in Softex „untergebracht“, von denen viele vorher in Idomeni waren. Es existiert nur die aller notwendigste Infrastruktur: Dixi-Toilietten, Wasserstellen, Duschen, ein Zelt des roten Kreuzes. Schattenspendende Bäume sucht man auf der geschotterten Fläche vergebens. Es gibt einmal täglich Essen, von dem uns der Bewohner M. sagt, es sei nicht genießbar. In der Lagerhalle sehen wir erste Anzeichen einer eigenen Ökonomie, mit Verkaufsständen von Refugees. Das dort verkaufte Essen können sich hier aber auch nicht mehr alle leisten, das für die Flucht mitgenommene Geld gehe nun langsam zu Ende.

IMG_0854Am 17. Juli 2016 haben Aktivist_innen des No Border Camps das Lager in einer Protest-Caravan besucht und verteilten Zeitungen und Infomaterial und hielten gemeinsam mit Menschen aus dem Lager eine Kundgebung vor der Lagerhalle ab. Es wurde Musik gespielt und gemeinsam getanzt. Eine Frau, die wir am Rande getroffen haben, war aber auch verärgert: „wir stecken hier in diesem furchtbaren Lager fest und alles, was euch einfällt, ist etwas dazu zu schreiben?“ sagte sie zu uns.

IMG_0867M. erzählte uns, dass es nichts in Softex gegeben habe, als sie aus Idomeni angekommen sind: auf dem Schotterfeld standen nur die leeren Zelte, es gab nicht mal Feldbetten oder Toiletten. Betten haben sie erst jetzt, nach über zwei Monaten im Lager bekommen. Auch er berichtete uns, wie schon in anderen Lagern, von Schlangen.

 

Eine syrische FamiIMG_0866lie erzählt bei einem Kaffee von ihrer Geschichte und von ihrer Situation. Sie kommen aus einem vom IS kontrollierten Gebiet. Geflohen sind sie vor den Bomben von Assad. In der Situation hier harren sie aus und überlegen gerade, ob sie wieder in den Bürgerkrieg und ihr vom IS IMG_0911kontrolliertes zu Hause zurück kehren sollen. Der Vater erzählt, dass er denkt, dass er dann vom IS getötet wird. Er stirbt aber lieber durch den IS, als in diesem Lager langsam zusammen mit seinen Kindern zu sterben. Der IS, so sagt er, habe wenigstens den Kindern nichts getan. Hier sei die Situation gerade für sie besonders erdrückend. Ein anderer fällt ihm gerade bei diesen letzten Sätzen immer wieder ins Wort und betont, dass der IS den Kindern vielleicht physisch nichts antue, dass er sie aber im Kopf beeinflusse.

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Die Menschen hier sind absolut isoliert. Seit der Räumung von Idomeni leben sie auf diesem abgeschiedenen Schotterfeld. Seit diesen über zwei Monaten, so sagte uns M., sind wir die ersten „Medien“ die gekommen sind und von der Situation im Lager berichten wollten.

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Audiodatei:

Ein Flüchtender berichtet über die Situation im Camp Softex. Seit zwei Monaten lebt er dort und erzählt von der unzureichenden Versorgung und dass sie kaum die Möglichkeit haben mit Medien zu sprechen. Er berichtet über seine Erfahrungen mit dem Relocation Program

 

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