Idomeni: Erneut Schienenblockaden und zunehmend schlechtere Stimmung

160303_ÜberblickBlokadeErneut blockierten heute Flüchtende die Gleise und legten für mehrere Stunden den durch das Camp führenden Schienenverkehr zwischen Griechenland und Mazedonien lahm. Sie malten Transparente auf denen „Were slowly dying here“ und „Freedom“ zu lesen war und errichteten zudem einige Zelte mitten auf den Schienen.

Die Blockade wurde von den Aktivist_innen gegen Nachmittag aufgelöst. Insgesamt waren heute zunehmende Ernüchterung und Spannungen im Camp zu spüren. Diese Stimmung drückte sich auch auf der Blockade aus. Auf einem Schild war zu lesen: „You are all liars. In Syria brutal fast death, Here slow silent death.“, auf einem anderen: „We dont need your false humanity. Send us back“.

160303_TranspisDer Grenzübergang war die meiste Zeit des Tages wieder geschlossen und in der kurzen Zeit der Öffnung wurden nur einige Familien tröpfchenweise durchgelassen. Zudem scheint es ein Chaos mit dem Nummersystem des Camps zu geben. Bisher bekommen Menschen bei ihrer Ankunft im Camp eine Nummer zugeteilt und wurden bisher in dieser Reihenfolge (eine Nummer steht unseren Informationen zufolge für eine Gruppe von ca. 50 Personen) für den Grenzübergang aufgerufen. Seit gestern bekommen manche Leute neue Nummern zugeteilt und ein Flüchtender berichtete uns, dass diese auch nicht mehr in chronologischer Reihenfolge, sondern anscheinend willkürlich aufgerufen werden.

Im Camp kursieren Zahlen von aktuell bis zu 12 000 Menschen in Idomeni.

Die immer drastischere Überfüllung des Camps, die meist geschlossene Grenze, der martialisch aussehende Repressionsapparat, die unzureichende Versorgung der Flüchtenden mit Nahrung und Zelten und auch das Chaos in der Grenzbürokratie zeigen: Die Entscheidungen der europäischen Regierungen produzieren vor Ort in Idomeni eine Situation, die für die hier festhängenden Flüchtenden kaum noch aushaltbar ist. Viele von ihnen warten resigniert auf die Entscheidung des EU-Sondergipfels am 7.März.

 

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