Blumen gegen Bulldozer – Kind am Leben

160301_ProtestBlumen Die Nachricht von dem getöteten Kind wurde heute nach Auskunft von Ärzten ohne Grenzen revidiert: Das Kind hat schwer verletzt überlebt. Wir sind unheimlich erleichtert über diese Nachricht, die wir heute im Camp erfahren haben.

Nach den gestrigen Eskalationen am Grenzzaun und auf den Bahngleisen beim Camp Idomeni, haben heute Refugee-Aktivist_innen betont deeskaliert: Etwa 150 Menschen demonstrierten erneut für die Öffnung der Grenze nach Mazedonien. Dabei hielt sich der Protest anscheinend bewusst fern vom Grenzzaun, an dem gestern Menschen durch den Einsatz von Schock- und Tränengasgranaten durch die Polizei verletzt wurden. Am Ort des Geschehens waren weiterhin Teile der Zäune um die Bahngleise eingerissen. Die griechische Polizei zeigte deutlich mehr Präsenz als sonst und kontrollierte Menschen vor dem Lager.

160301_ProtestKindDie Aktivist_innen aus dem Lager hingegen protestierten mit weißen Blumen und Transparenten im Lager. Anspannung und Frustration war nicht nur bei denen zu merken, die sich wieder an den Protesten beteiligten, sondern bei fast allen Refugees in Idomeni. Mittlerweile sind nach unseren Informationen mindestens 9.000 Menschen im Lager vor dem Grenzzaun angekommen, auch heute wurden es wieder mehr. Der Übergang nach Mazedonien war wieder bis zum frühen Abend komplett geschlossen. Das Lager wächst zunehmend mit kleinen Zelten auf die umliegenden Felder, wobei weiterhin Menschen gezwungen sind – auch beim Regen der vergangenen Nacht – draußen zu übernachten.

In Gesprächen mit Flüchtenden wurde heute ein resigniertes Unverständnis deutlich: Warum ist die Grenze dicht, wenn Deutschland doch Flüchtende aufnehmen will, fragen sich viele. Auf einem Transparent schrieben die Protestierenden die Frage „Germany help?“.160301_ProtestTranspi

Im Kontrast zu diesem ruhigen Bild fuhren Polizei und Militär auf der anderen Seite des Zauns ihren ganzen Apparat an Abschreckung auf: Hundertschaften der mazedonischen Polizei, Militärgeländewagen, ein dem Anschein nach hochtechnisierter Wasserwerfer, zwei Spähpanzer und wieder mazedonisches Soldaten waren unmittelbar hinter dem Grenzübergang postiert. Dazu boten sich heute verschiedenste europäische Polizist_innen ein Schaulaufen hinter dem Zaun. Anwesend waren österreichische, serbische, slowenische und tschechische Polizist_innen. Krönung der versuchten Einschüchterung war auch heute wieder ein Patrouille fliegender Kampfhubschrauber über dem Grenzzaun.

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