Idomeni: Afghan_innen abtransportiert

100224GrenzübergangIdomeniDie tags zuvor in Idomeni im Camp B selektierten Flüchtenden aus Afghanistan wurden gestern den Tag über mit Bussen aus Idomeni abtransportiert. Gerüchten zu Folge mit 17 Bussen entweder nach Athen oder Thessaloniki. Den ganzen Tag über konnten wir Kleingruppen auf dem Highway antreffen, die den ca. 20 km langen Weg aus Polycastro nach Idomeni zu Fuß zurück legten.

Als wir abends das Camp in Idomeni erreichten, kamen gerade wieder viele neue Busse mit Flüchtenden an. Auch die Grenze war abends wieder geöffnet – allerdings nur für Syrer_innen und Iraker_innen. Grenzbeamte kontrollierten zwischen den Stacheldrahtzäunen an einer kleinen, darin eingelassenen Tür Papiere und ließen tröpfchenweise Personen passieren. Das Camp in Idomeni war voll, es waren viele Journalist_innen anwesend, die über das überfüllte Camp und die abtransportierten Afghan_innen berichteten.
Viele der neu im Camp angekommenen Flüchtenden baten uns um Decken, da die offiziellen Campstrukturen scheinbar nicht ausreichend warme Decken und Zelte bereit stellen konnten. Unabhängige Aktivist_innen betreiben eine Soliküche vor dem Camp, vor der sich regelmäßig lange Schlangen bilden.

Von den Blockaden und Protesten des Vortags waren nur noch kleinere Spuren und geflickte Zäune übrig. Die Aktivist_innen vom Vortag waren ebenfalls nicht mehr im Camp zu finden. Uns wurde von befreundeten Strukturen berichtet, dass schon vormittags, zur Räumung der Blockade, der Bereich um das Camp herum weiträumig abgesperrt wurde: Autos wurden an den Zufahrtswegen schon einige Kilometer vor dem Camp abgefangen und auch Journalist_innen mussten vor dem Camp stehen bleiben.

Als wir das Camp wieder verließen, konnten wir das wütend-mulmige Gefühl nicht hinter uns lassen. Was ist das für ein Europa „der Menschenrechte“, das Stacheldrahtzäune in die Gegend pflanzt, Menschen zu tausenden davor zusammenpfercht und, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Angehörige bestimmter Staaten in Polizeibusse prügelt, abtransportiert und anderswo wieder einsperrt?

Selbst bei der ethnischen Selektion und der absurden Situation im Lager am Grenzübergang, wird hier auch klar, dass keine Grenze jemals komplett geschlossen ist. Die Menschen, die nach Europa wollen finden ihren eigenen Weg.

 

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